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Dieter Rams: Eine Blaupause für Ökokonzeption

23 Jun 2020 —
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Dieter Rams‘ Werk ist zeitlos, und zwar vor allem, weil es genau mit dieser Zielsetzung geschaffen wurde. Das Vermächtnis des Produktdesigners, das in der heutigen Designerwelt noch immer lebendig ist, geht über die von ihm geschaffenen Objekte hinaus. Seine Design-Vision betont die Verantwortung der Designer und die Existenz von gutem und schlechtem Design. Seine zehn Prinzipien für gutes Design können heute noch immer als Blaupause für einen gründlichen und globalen Ansatz der Ökokonzeption angesehen werden, obwohl sie vor mehr als 40 Jahren verfasst wurden.

Dieter Rams‘ Werk ist zeitlos, und zwar vor allem, weil es genau mit dieser Zielsetzung geschaffen wurde. Das Vermächtnis des Produktdesigners, das in der heutigen Designerwelt noch immer lebendig ist, geht über die von ihm geschaffenen Objekte hinaus. Seine Design-Vision betont die Verantwortung der Designer und die Existenz von gutem und schlechtem Design. Seine zehn Prinzipien für gutes Design können heute noch immer als Blaupause für einen gründlichen und globalen Ansatz der Ökokonzeption angesehen werden, obwohl sie vor mehr als 40 Jahren verfasst wurden.

Langlebiges Design

Dieter Rams wurde 1932 als Enkel eines Zimmermanns in Wiesbaden, unweit von Frankfurt, geboren. Als Teenager begann er nach Kriegsende 1947 ein Studium der Architektur und Innenarchitektur. Die Designer glaubten damals fest an die Rolle des Designs an der Gestaltung einer besseren Welt. Dieses Verantwortungsbewusstsein des Designs ist eine der Konstanten in Rams‘ Werk, zusammen mit seinem ständigen Kampf gegen die geplante Überalterung, also das „eingebaute Verfallsdatum“ von Produkten.

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Nach Ansicht von Dieter Rams können langlebige Produkte nur durch langlebiges Design erreicht werden, und mit Lösungen, die perfekt zum Zweck der Produkte passen, wobei dieser Grundsatz für weit mehr gilt als nur für das Produktdesign. Wie hoch sind die Kosten für ein neues grafisches Erscheinungsbild, sowohl finanziell als auch ökologisch? Oder für ein neues Bürodesign? Oder für eine neue Verpackung für dasselbe Produkt? Die Idee ist nicht, wie Rams selbst erklärte, ein ewig haltbares Produkt zu schaffen, sondern etwas so Zeitloses, so gut gestaltetes, dass man es später verbessern kann, ohne es jedes Mal von Grund auf neu zu schaffen. Dies impliziert eine bestimmte Herangehensweise an das Design: Man versucht, das Produkt um eine Konstante herum zu kristallisieren, etwas, das mit der Zeit Bestand hat – in diesem Fall die Funktion eines Produkts. Im Marketing würde man dies als die DNA einer Marke bezeichnen.

Weniger, aber besser

Die Arbeit von Rams basiert auf Präzision, also darauf, das Produkt von allem nicht Notwendigen zu befreien, von allem, was aus der Mode kommen könnte. Kein Markenname auf der Vorderseite, keine unnötigen Knöpfe oder Gegenstände. Während seiner 40 Jahre als Chefdesigner bei Braun hat Dieter Rams mit der gleichen Strenge weitergearbeitet, einer Philosophie, die er mit diesen drei Worten zusammenfasste: „Weniger, aber besser."

 

D. Rams und H. Gugelot für Braun, Radio-Phonograph SK4/10, 1956, MoMA © The Museum of Modern Art, New York/Scala, Florenz

D. Rams und D. Lubs für Braun, Taschenrechner ET 66, 1987, V&A Museum © The Victoria & Albert Museum

 

 

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Die Arbeit von Jony Ive als Chefdesigner bei Apple über fast 30 Jahre hinweg ist wahrscheinlich das beste Beispiel für den Einfluss, den Rams auf die Designer von heute hat. Was sofort auffällt, ist der Blick für Details in Rams‘ Arbeit, die man auch in Ives Entwürfen immer wieder findet. Diese Ähnlichkeiten sind auch ausführlich online dokumentiert worden. Einer der direktesten Einflüsse des deutschen Designers auf den britischen ist jedoch sein Ziel, intuitiv zu bedienende Produkte zu entwerfen: ein Prinzip, das der Gestaltung der meisten Apple-Produkte zugrunde liegt. Und dies ist vielleicht einer der wichtigsten Grundsätze der Ideen von Rams: Wenn wir die Dinge auf ein Minimum beschränken, kann es uns am Ende leichter fallen, das Produkt zu verstehen und es zu benutzen. Weniger Ressourcen also für mehr Wirkung.

Im Jahr 2013 startete der französische Designer Sylvain Boyer eine Kampagne mit dem Namen „Ecobranding“. Die Idee war einfach: die Menge der in einem Logo verwendeten Tinte zu reduzieren und gleichzeitig die visuelle Wirkung beizubehalten. Es mag zunächst unwichtig erscheinen, aber bei Marken wie McDonald‘s oder Starbucks hätte eine geringfügige Änderung des Logos einen großen Einfluss auf die Millionen von Bechern, Schachteln und Werbemitteln, die jedes Jahr gedruckt werden.

Das Studium der Arbeit von Rams fordert uns auf, diese Idee noch einen Schritt weiterzudenken. Für den deutschen Designer kann Design mehr Wirkung entfalten, nicht obwohl, sondern gerade weil es auf das absolute Minimum reduziert wurde. Vielleicht ist es an der Zeit, die zu druckenden Worte sorgfältiger auszuwählen und so diejenigen Elemente, welche die zu vermittelnde Botschaft verwaschen könnten, zu streichen. So verleihen wir den wichtigen Worten in der Botschaft die Wirkung, die sie verdienen.

„Gutes Design ist ästhetisch“

Im Gespräch über Rams und dessen Einfluss auf seine eigene Arbeit sagte Stardesigner Naoto Fukasawa über das Braun-Taschenradio T3: „Es gibt nichts Vollkommeneres (...) Wenn es um Ästhetik geht, ist hier alles, was man als Designer erreichen will.“ Außerdem es ist wichtig, die Bedeutung der Ästhetik in der Vorgehensweise von Dieter Rams nicht zu vergessen, die Fukasawa in seiner Arbeit bei Muji sicherlich beeinflusst hat.

 

Naoto Fukasawa für Muji, CD-Spieler, 1999, © The Victoria & Albert Museum

D. Rams für Braun, Taschenradio T3, 1958, MoMA © Museum of Modern Art, New York/Scala, Florenz

Jony Ive für Apple, iPod, 2001, MoMA © Museum of Modern Art, New York/Scala, Florenz

Gegenstände prägen maßgeblich unser persönliches Umfeld und unser Wohlbefinden. Und wenn jedes Detail eine Auswirkung haben kann, sind Sorgfalt und Präzision im Herstellungsprozess von größter Bedeutung. Studien zeigen, wie sich unterschiedliche Materialien auf unser Verhalten auswirken. Deshalb sind die Wahl der Materialien und das Gefühl, das sie uns an den Fingern vermitteln, überaus wichtig.

Rams sagte einmal, dass „die mit unseren Sinnen wahrgenommene Welt eine Aura ausstrahlt, die meines Erachtens nicht digitalisiert werden kann“. Materialien wirken sich auf unsere Sinne aus, ebenso wie die Art und Weise, wie sie geformt werden. Diese Wirkung kann zu einer Botschaft werden, wenn sie gut konzipiert ist.

Stellen Sie sich vor, Sie möchten jemandem eine Botschaft auf einem Blatt Papier schicken. Stellen Sie sich weiter vor, dass dieses Papier in der Lage ist, einen Teil der Botschaft von sich aus zu vermitteln, weil es sorgfältig nach Haptik und Farbe ausgewählt wurde. Stellen Sie sich schließlich vor, wie viel weniger Sie jetzt sagen müssten, um die gewünschte Botschaft tatsächlich zu vermitteln. Weniger, aber besser.

Wenn man nun diese Theorie auf den Ökodruck überträgt, gibt es überaus viele Möglichkeiten, diese Prinzipien entlang der gesamten Kette umzusetzen. Es geht am Ende darum, auf jedem Schritt des Weges erneut Gewohnheiten zu hinterfragen. Wir haben die Präzision bei der Konzeption der Botschaft erwähnt, aber wir können auch die gewählt Schriftart und die für den Druck dieser Botschaft verwendete Tinte hinterfragen. Von der Art des verwendeten Papiers bis zur Größe und Anzahl der zu druckenden Dokumente haben all diese kleinen Elemente am Ende eine Wirkung. Wir brauchen lediglich die Strenge, diese kleinen Elemente als Teile eines Ganzen zu sehen.

 

Weitere Informationen finden Sie in unseren 12 Tipps für Ökodesign und Ökodruck.